Der Marxlesekreis der Jusos Göttingen unter der Leitung von Hannes Keune trifft sich regelmäßig Mitwochs im Parteihaus. Wir beschäftigen und mit der Marxistischen Theorie und vergleichen sie u.a. mit anderen Werttheorien. Sozialisten müssen in der Theorie der Arbeiterklasse bewandert sein um eine gut fundierte Kapitalismuskritik abgeben zu können. Für alle die, die keine Zeit haben zu den Sitzungen zu erscheinengibt es hier eine grobe Zusammenfassung der ersten beiden Sitzungen:
Zusammenfassung 1. Sitzung: Die Ware
1. Die zwei Faktoren der Ware Gebrauchswert und Wert (Wertsubstanz, Wertgröße)
- es geht um die Analyse der „kapitalistischen Produktionsweise“ und der Ware (S. 49), d.h. keineswegs z.B. um eine vorkapitalistische Genese der Warengesellschaft
- ein Ding ist nach Qualität und nach Quantität zu betrachten (S. 49)
- die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert, der sich aber nur „im Gebrauch oder der Konsumtion“ verwirklicht (S. 50)
- zugleich bilden die Gebrauchswerte den „stofflichen Träger des – Tauschwerts“ (ebd.):
- Tauschwert erscheint als etwas Zufälliges, Relatives, der Ware Immanentes
- genauer betrachtet: Tauschwerte nur als „Erscheinungsform eines von ihm unterscheidbaren Gehalts“ (S. 51), also auf etwas Drittes reduzierbar
- abstrahiert man vom Gebrauchswert einer Ware, dann stellt sich heraus, dass „mit dem nützlichen Charakter der Arbeitsprodukte (…) der nützliche Charakter der in ihnen dargestellten Arbeiten“ (S. 52) verschwindet; so „verschwinden auch die verschiedenen konkreten Formen dieser Arbeiten, sie unterscheiden sich nicht länger, sondern sind alle reduziert auf gleiche menschliche Arbeit, auf abstrakt menschliche Arbeit“ (ebd.) à die Reduktion auf das Gemeinsame, was sich im Austauschverhältnis der Waren darstellt, ist also ihr Wert, weil abstrakt menschliche Arbeit in dem Ding (das Gebrauchswert hat) materialisiert ist; nur menschliche Arbeit schafft Wert
- der Wert bzw. die Wertgröße ist daher bestimmt durch das Quantum gesellschaftlich notwendiger Arbeit à Veränderung dessen durch ein Fortschreiten der Produktivkräfte (S. 54)
- der Wert einer Ware realisiert sich aber erst im Tausch (S. 55)
Zusammenfassung 2. Sitzung: Die Ware
2. Doppelcharakter der in den Waren dargestellten Arbeit
- die Zwieschlächtigkeit der Ware ist für Marx der Springpunkt, um den sich das Verständnis der politischen Ökonomie dreht (!)
- Gebrauchswert ist angekoppelt an der Begriff de“nützlichen Arbeit“ (S. 56)
- wie zwei Güter sind qualitativ verschiedene Gebrauchswerte, genauso sind die zwei konkreten Arbeiten, die diese Güter herstellen, qualitativ unterschiedliche Tätigkeiten à Verschiedenheit nützlicher Arbeiten ist eine gesellschaftliche Arbeitsteilung, welche die Existenzbedingung der Warenproduktion ist
- nützliche Arbeit, „als Bildnerin von Gebrauchswerten“ (S. 57), ist eine von allen Gesellschaftsformen unabhängige Voraussetzung für menschliches Leben
- Waren-Wert: als Werte sind zwei Waren „objektive Ausdrücke gleichartiger Arbeit, werden also qualitativ gleichgesetzt“ (S. 58)
- komplizierte Arbeit als bestimmtes Quantum einfacher Arbeit à Definition, was einfach und was kompliziert ist, läuft hinter dem Rücken der Individuen ab à im Bezug auf den Warenwert ist die menschliche Arbeit rein quantitativ, da sie auf abstrakt menschliche Arbeit reduziert wird (!)
3. Die Wertform oder der Tauschwert
- ein Ding ist nur Ware, weil sie Doppeltes ist: Gebrauchsgegenstand und Wertträger
- Wertgegenständlichkeit ist rein gesellschaftlich, also kann Wert „nur im gesellschaftlichen Verhältnis von Ware zu Ware erscheinen“ (S. 62)
- an dieser Stelle geht es Marx nun um die Genesis der Geldform, die er mit der einfachen Wertform beginnt:
a) Einfache Wertform (S. 62-76):
- relative Wertform und Äquivalentform: der relative Wert einer Ware kann nur relativ ausgedrückt werden, muss sich also in anderer Ware ausdrücken (Äquivalentform)
- erst im Wertverhältnis zweier Waren tritt deren Wertcharakter hervor: „Nur der Äquivalenzausdruck verschiedenartiger Waren bringt den spezifischen Charakter der wertbildenden Arbeit zum Vorschein, indem er die in den verschiedenartigen Waren steckenden, verschiedenartigen Arbeiten tatsächlich auf ihr Gemeinsames reduziert“ (S. 65), auf abstrakt menschliche Arbeit (!) à wir sehen also: Wert entsteht zum einen durch die in der Ware materialisierte konkrete menschliche Arbeit, realisiert sich zum anderen aber erst im Wert-verhältnis, also in der Reduktion auf abstrakt menschliche Arbeit
- quantitative Bestimmtheit der relativen Wertform: Wechsel in der Produktivkraft mit Einfluss auf den relativen Ausdruck der Wertgröße
- Äquivalentform: ist die Folge der Austauschbarkeit einer Ware mit einer anderen:
à 1. Eigentümlichkeit: ÄF enthält keine quantitative Wertbestimmung, Gebrauchswert wird hier zur Erscheinungsform seines Gegenteils, des Werts; Folge: im Wertverhältnis erscheint die Ware, die als Äquivalent dient, ihre Eigenschaft unmittelbarer Austauschbarkeit von Natur aus zu besitzen
à 2. Eigentümlichkeit: „konkrete Arbeit wird zur Erscheinungsform ihres Gegenteils, abstrakt menschliche Arbeit“ (S. 73) à 3. Eigentümlichkeit: „Privatarbeit wird zur Form ihres Gegenteils, zu Arbeit in unmittelbar gesellschaftlicher Form“ (ebd.)
- wie wir also sehen können: „Die einfache Wertform einer Ware ist also die einfache Erscheinungsform des in ihr enthaltenen Gegensatzes von Gebrauchswert und Wert“ (S. 76)
b) Totale oder entfaltete Wertform:
- der Wert einer Ware ist nun ausgedrückt in zahllosen anderen Element der Warenwelt, z.B. ist die Leinwand nun zur ganzen Warenwelt in einem Verhältnis
- aber auch die entfaltete Wertform bleibt unfertig, daher ist es notwendig, zur allgemeinen Wertform über zu gehen
c) Allgemeine Wertform:
- nun sind die Werte aller Waren dargestellt durch ihre Gleichheit mit einer Ware, es findet also eine Abstrahierung bzw. Gleichsetzung aller Privatarbeiten statt
- eine Ware fungiert nun als allgemeines Äquivalent, eine Ware ist nun in unmittelbarer Austauschbarkeit zu allen anderen Waren
d) Überganz zur Geldform:
- eine spezifische Ware wird zu Geldform bzw. fungiert als Geld, in einem historischen Prozess ist Gold zum allgemeinen Äquivalent geworden
- gesellschaftliche Gewohnheit lässt die Goldware zur Geldfunktion werden
Wir sind mittlerweile beim Zweiten Kapitel angekommen. Es wird daher z.B. demnächst eine kurze Darstellung über den Warenfetischismus folgen. Besonderer Dank geht an Hannes Keune für das verfassen der Zusammenfassung und moderation der bisherigen Sitzungen.










Dienstag, 20.Dezember von admin
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